Warum mein Kind nicht brav sein muss

Und ich trotzdem nicht verzweifle.

 

Stelle dir vor, ein erwachsener Europäer fährt nach China und sitzt mit einer chinesischen Familie beim Essen. Er kennt chinesische Sitten nicht, schlürft und rülpst nicht, wie es dort wohl zu guten Tischmanieren gehört. (Quelle)

 

Bedeutet das, dass er nicht brav ist?

 

Und jetzt stelle dir ein Kind vor, das in der Kirche umherläuft, schaut in jede Ecke, redet laut und spricht andere Leute an.

 

Ist das Kind nicht brav?

 

 

Ich mag den Ausdruck „braves Kind“ nicht. Es ist eine sehr unkonkrete Bezeichnung, die überhaupt keine Information enthält und noch dazu wertend ist. Es suggeriert, dass irgendjemand besser ist, weil er „brav“ ist. Und jemand schlechter, weil er „nicht brav“ ist. Nur was ist das konkret gemeint?

 

BRAV, ALSO WIE?

 

Kinder, die sich an bestimmte Regeln halten und tun was man ihnen befehlt, werden oft als „brav“ bezeichnet.

 

NICHT BRAV – WEIL ES WEINT

 

Es gibt diese Meinung, dass ein braves Kind nicht weint, ist ruhig und leise. Mama sagt: „Wir gehen nach Hause!“ und das Kind räumt sein Spielzeug auf und läuft fröhlich neben der Mutter her. Das ist brav.

 

Und jetzt stelle dir folgende Situation vor. Mama sagt zu ihrem Kind auf dem Spielplatz: „Wir gehen Heim, komm, ich helfe dir das Spielzeug einzusammeln.“ Und das Kind weint los, wehrt sich und will weiterspielen. Also die Mutter „Wir müssen aber, weil dies oder jenes.“ Heulend und schluchzend sammelt das Kind sein Spielzeug und läuft der Mutter hinterher die ganze Zeit noch weinend. Aber es kommt mit.

 

Also ist es brav, weil es tut, was die Mutter will oder nicht brav, weil es heult?

 

LÄSST SICH DAS AUF ERWACHSENE ÜBERTRAGEN?

 

Nehmen wir mal an: Dein Chef sagt, du sollst Überstunden machen, obwohl du keine Lust dazu hast. Du hast nicht wirklich die Wahl. Und glücklich bist du ganz sicher nicht. Also sobald dein Chef dein Büro verlässt, lässt du den Dampf ab, sodass auch deine Kollegen mitbekommen, wie unzufrieden du gerade bist. Und dennoch erledigst du das, was von dir verlangt wird.

 

Bist du also brav, weil du getan hast, was dein Chef wollte? Oder nicht brav, weil du ziemlich offensichtlich und sogar etwas unpassend deinen Missmut geäussert hast, weil du etwas tun musstest, worauf du keine Lust hattest?

 

FAZIT

 

Es ist egal, ob Kinder oder Erwachsene. Weder die einen noch die anderen wollen nicht das tun, worauf sie keine Lust haben. Sie äußern das lediglich anders.

 

Alles Liebe, Kasia

Teile das auf:

Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.