Wenn mein Kind nicht teilen will.

Liebe Mama,

 

bitte verurteile mich nicht, wenn ich meinem Kind nicht befehle, es solle mit deinem Kind sein Spielzeug teilen.

 

Ich möchte sehr, dass sich alle wohlfühlen und unsere Kinder gerne miteinander Zeit verbringen.

 

Aber ich spüre auch, wie sich alles anspannt und ich verunsichert bin. Denn ich möchte meinem Kind gerecht werden und auch für Euch da sein.

 

Meine Tochter ist bald drei. Es steht ihr emotional noch nicht zur Verfügung, das Konzept des Teilens zu begreifen. Ihr kindliches Gehirn ist nicht weit genug entwickelt, um eine gerechte Entscheidung zu treffen. Sie entdeckt erst, dass sie eigenständiger Mensch ist – mit Willen und Entscheidungskraft. Sie lernt sich selbst kennen und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern.

 

Und ich möchte, dass sie lernt, ihre Bedürfnisse seien wichtig. Dass sie OK ist, egal, ob mir ihre Entscheidung schmeckt, oder nicht.

 

Darum Mama – bleibe bitte gelassen, auch wenn ich zurückhaltend bin, wenn dein Kind weint, weil meines etwas nicht hergibt. Ich fühle mit dir, glaube mir! Dennoch bin ich bei meiner Tochter und halte für sie den Raum.

 

Ich wurde als Kind zum Teilen erzogen. Und ich weiß noch, wie  falsch es sich anfühlte. Vielmehr als das Teilen, lernte ich nachzugeben – den Eltern zuliebe oder aus Angst vor Ablehnung.

 

Also werde ich meinem Kind nicht vorgeben, was es mit deinem Kind zu teilen hat. Ich will, dass meine Tochter ihre Erfahrungen macht. Dass sie nicht gehorsam meine Befehle ausführt, sondern lernt, wie viel Freude ein ehrliches Teilen – so von Herzen – bereitet.

 

Ich maße es mir nicht an, jedes mal genau zu wissen, welches Bedürfnis meine Tochter hat, wenn sie so deutlich ihr Gebiet absteckt und betont, etwas gehöre ihr. Ist es das Bedürfnis nach Autonomie? Möchte sie ihre Meinung äußern? Oder möchte sie wahrgenommen und gesehen werden? Oder doch etwas völlig anderes?

 

Ich frage mich also: Was kommt bei einem Kind an, welches grundsätzlich teilen muss, „weil man es einfach so macht“?

Ich in meiner „erwachsenen“ Welt verknüpfe Teilen mit Freundlichkeit, Großzügigkeit und Verlässlichkeit. Kleine Kinder dagegen assoziieren es mit Kontrolle und dem tatsächlichen Nutzen des Gegenstandes.

 

Darum, liebe Mama, auch wenn es mir manchmal schwer fällt, in meiner „neumodischen“ bedürfnisorientierten Art meine Tochter zu begleiten, bin ich mir ganz sicher, dass aus ihr mal ein wunderbarer und großzügiger Mensch wird.

 

Sie beobachtet mich und meinen Mann aufmerksam. Sie erlebt wir können uns abgrenzen, wenn es nötig ist und auch mit absoluter Selbstverständlichkeit für unsere Lieben da sein, wenn wir gebraucht werden. Denn Menschen sind uns wichtiger, als materielle Dinge. Ehrlich.

 

P.S.

Bitte, sei für dein Kind da, wende dich ihm liebevoll zu. Ich kann nur bedingt für beide da sein und noch deine Missmut auffangen. Ich lade dich ein, dich in dein Kind einzufühlen. Seine Emotionen zu erspüren und auch zu äußern. Es ist verständlich, dass es frustriert, ärgerlich oder traurig ist in so einer Situation. Und das darf sein.

 

 

Alles Liebe, Kasia

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